«Wir hoffen, dass Herr Ott andere Dialogpartner fairer behandelt»

BaZ Beitrag 27. August 2019

«Wir hoffen, dass Herr Ott andere Dialogpartner fairer behandelt»

Die Basler Muslimkommission hat am Dienstag eine Stellungnahme verschickt. Darin wehrt sie sich gegen Vorwürfe des Basler Stadtentwicklers Lukas Ott.

Dienstag 27. August 2019 15:55 

von Nina Jecker

Stadtentwickler Lukas Ott hat die Basler Muslimkommission kritisiert. Die wehrt sich in einer Stellungnahme. Foto: Nicole Pont

Nina Jecker

Der Streit rund um die Basler Muslimkommission (BMK) geht weiter. Nachdem der Basler Stadtentwickler Lukas Ott am Montag in der BaZ Kritik an der BMK übte, hat diese am Dienstag eine Stellungnahme an die Medien verschickt. Man habe die Aussagen von Ott «mit Befremden» zur Kenntnis genommen, heisst es darin. Ott sagte unter anderem, dass die Vertretung der Basler Muslime im Dialog mit dem Kanton durch die BMK nicht pluralistisch und demokratisch organisiert sei. Im Gegenteil: In der jetzigen Form bestehe die Gefahr, dass die muslimische Vertretung monopolistisch wahrgenommen werde. Das ist nicht in Otts Sinn, der sagt: «Es kann keinen Alleinvertretungsanspruch der BMK geben.»

Die kritisierte Organisation kontert, man habe es nie auf einen solchen angelegt. Es sei der Wunsch des Kantons gewesen, auf muslimischer Seite einen Ansprechpartner im Bezug zum Islam zu haben, der möglichst viele Vereine vertritt. Seit über 20 Jahre biete die BMK deshalb ehrenamtlich ihre Dienste an, um einen Dialog zwischen der Öffentlichkeit und ihren 18 Mitgliedsorganisationen herzustellen. Dieser finde nicht nur im Interesse der BMK statt, sondern auch im Interesse des Kantons und der Öffentlichkeit.

«Stadtentwickler hat wenig Ahnung von muslimischer Realität»

Nach den Aussagen des Stadtentwicklers, der seit rund zwei Jahren im Amt ist, zeigt sich die Muslimkommission enttäuscht. «Bis das heutige, professionelle Niveau erreicht wurde, sind unzählige ehrenamtliche Stunden investiert worden.» Umso mehr sei es enttäuschend, dass Ott all diese Bemühungen mit keinem Wort würdige. Die kritisierten Muslime wehren sich auch dagegen, als homogene Organisation dargestellt zu werden. Ott monierte, dass die derzeitige Vertretung «der Heterogenität dieser Community nicht gerecht» werde.

Nach den Rechtfertigungen nehmen die Muslime den Stadtentwickler ins Visier. Dieser habe von der muslimischen Realität in Basel-Stadt «wenig Ahnung» – was womöglich damit zu tun habe, dass er seit seinem Amtsantritt im Dezember 2017 kein einziges offizielles Gespräch mit der BMK geführt habe. «In unserem Verständnis heisst Dialog, mit seinen Partner direkt zu sprechen und allfällige Kritik auch mit seinen Partnern direkt zu diskutieren. Herr Ott hat es aber vorgezogen, mit den Medien über seine Partner zu sprechen, weswegen wir auch öffentlich Stellung nehmen.»

Verdacht auf Druck gegen Muslime

Die BMK erweckt weiter den Eindruck, in Zukunft nicht mehr Ansprechpartner sein zu wollen, nennt die Debatte «mühsam» und kritisiert deren Niveau. «Wir hoffen, dass Herr Ott andere Dialogpartner findet und diese dann auch fairer behandelt, als er es mit der BMK tut. Wir wünschen ihm viel Erfolg dabei», heisst es.

Dem Streit vorausgegangen war Kritik von Muslimen an der BMK. Konkret ging es dabei um die Hicret-Moschee, die gegenüber der BaZ und gegenüber Ott ihren Austritt aus der Kommission bekannt gegeben hatte. Kurz darauf wollte man davon aber nichts mehr wissen. Es entstand der Verdacht, der auch von Stimmen aus der Moschee gestützt wurde, dass der Entscheid aufgrund von Druck seitens der BMK gekippt wurde.

Dienstag 27. August 2019 15:55 

von Nina Jecker

Stellungnahme zum BaZ-Artikel vom 26.08.2019

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Stellungnahme zum BaZ-Artikel vom 26.08.2019 «Stadtentwickler kritisiert den Basler Islam-Dachverband als gefährliches Monopol»

Mit Befremden haben wir das gestrige BaZ-Interview mit Herrn Lukas Ott über die BMK zur Kenntnis genommen.

Es war der Wunsch des Kantons, auf muslimischer Seite einen Ansprechpartner im Bezug zum Islam zu
haben, der möglichst viele Vereine vertritt. So bietet die BMK seit über zwanzig Jahren ehrenamtlich seine Dienste an, um einen Dialog zwischen der Öffentlichkeit und seinen 18 Mitgliedsorganisationen
herzustellen. Dieser Dialog findet nicht nur im Interesse der BMK statt, sondern auch im Interesse des Kantons und der Öffentlichkeit. Die BMK bietet eine Plattform, um schwer zugängliche Gesellschaftsgruppen zu erreichen. Es werden Informationen vermittelt, Diskussionen geführt, Mitglieder aufgeklärt, Bildungsanlässe sowie Workshops organisiert, statistische Befragungen durchgeführt und bei Konflikten vermittelt.

Bis das heutige, professionelle Niveau erreicht wurde, sind unzählige ehrenamtliche Stunden investiert worden. Dies alles unter dem Aspekt, dass auf muslimischer Seite sehr knappe personelle Ressourcen vorhanden sind, um die Anliegen der Öffentlichkeit gerecht zu werden. Umso mehr ist es enttäuschend, dass Herr Ott all diese Bemühungen mit keinem Wort würdigt, im Gegenteil. Die BMK wird im Artikel fälschlicherweise als eine homogene Organisation dargestellt, die einen alleinigen Vertretungsanspruch der Muslime für sich geltend machen würde und Druckversuche ausgeübt haben soll. Darüber hinaus wirkt es sehr überheblich, wenn Herr Ott die muslimische Community so darstellt, als ob sie sich darum streiten würden, wer denn jetzt der Ansprechpartner vom Herrn Ott ist?

Herr Ott stellt richtig fest, dass der Kanton einen pluralistischen religiösen Dialog führen muss. Wir unterstützen diesen Ansatz nicht nur, wir fordern diesen auch ein. Es ist sehr wichtig, dass der Kanton auch einen Austausch mit Organisationen führt, die nicht BMK-Mitglied sind.

Weitere Aussagen von Herrn Ott zeigen aber, dass er von der muslimischen Realität in Basel-Stadt wenig Ahnung hat. Dies hat womöglich damit zu tun, dass er seit seinem Amtsantritt vom 1. Dezember 2017 kein einziges Mal mit der BMK ein offizielles Gespräch geführt hat. In unserem Verständnis heisst Dialog, MIT seinen Partnern direkt zu sprechen und allfällige Kritik auch mit seinen Partnern direkt zu diskutieren. Herr Ott hat es aber vorgezogen mit den Medien ÜBER seine Partner zu sprechen, weswegen wir
auch öffentlich auf die Vorwürfe Stellung nehmen.

Es ist uns schleierhaft, was Herr Ott mit seinen Aussagen bezwecken will, zumal die Zusammenarbeit mit der Fachstelle Integration und Diversität bisher immer sehr gut war. Es gibt ohnehin kaum freiwillige aus der Muslimischen Community, die sich nebst ihrem Tagesgeschäft ehrenamtlich um einen Dialog bemühen. Viele qualifizierte Muslime halten sich von dieser Arbeit fern, weil ihnen das Niveau der Debatte so wie sie von Herrn Ott und der BaZ vorgeführt wurde teilweise einfach zu mühsam ist.

Wir hoffen, dass Herr Ott andere Dialogpartner findet und diese dann auch fairer behandelt als er es mit der BMK tut und wünschen Ihm viel Erfolg dabei. Gemäss BaZ-Artikel will er den pluralistischen religiösen Dialog unterstützen. Um Erfolg zu haben empfehlen wir einen echten Dialog und nicht einen Monolog via Medien zu führen.

Zuletzt würden wir gerne festhalten, dass bereits mehrfach betont wurde, dass die BMK nicht den Anspruch hat, alle Muslime zu vertreten. Die BMK vertritt lediglich seine Mitgliedsorganisationen und die Anliegen von Muslimen. So steht es auch auf unserer Homepage. Hätte sich der Journalist die Mühe gemacht, den Einladungen der BMK (die zugesagt und dann ohne Abmeldung nicht eingehalten wurden) Folge zu leisten, hätte er selbst mitbekommen, dass die BMK die Muslimische Community in zahlreichen Workshops und Zusammenkünften dazu ermutigt selber direkte Beziehungen mit dem Kanton, der Politik, der Nachbarschaft und anderen Religionen zu pflegen und diese nicht einfach der BMK zu überlassen.

Es ist bezeichnend, dass der Autor dennoch in seinen Beiträgen konsequent das Gegenteil suggeriert. Er hat offensichtlich ein festgesetztes Bild über die BMK, welches er mantrahaft immer wieder mit ähnlichen Artikeln zu untermauern versucht, anstatt dass er sich einmal unvoreingenommen, persönlich und direkt mit der BMK auseinandersetzt.

Wir zu unserem Teil führen unser Dialog mit den anderen Religionsgemeinschaften, der hiesigen Bevölkerung und allen Dialogwilligen Instanzen ehrenamtlich fort, die bereit sind, einen fairen Dialog auf Augenhöhe zu führen.

Mit freundlichen Grüssen

Vorstand der Basler Muslim Kommission
Basel, 27. August 2019