«Wir müssen sachlich bleiben»

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29.08.2019 Beitrag:

«Wir müssen sachlich bleiben»

Selim Karatekin, Präsident der Basler Muslimkommission, nimmt zu den vielen Vorwürfen Stellung.

Donnerstag 29. August 2019 13:29 

von Serkan Abrecht

Personen aus der Hicret-­Moschee berichten, dass Sie sie bedroht hätten, weil sie aus der Basler Muslimkommission (BMK) austreten wollten. Ihr Vater habe gedroht, den Hicret-Präsidenten beim Abendgebet als «Abtrünnigen» zu denunzieren. Auch das Schreiben an die Presse soll von der BMK selbst und nicht von der Hicret-Moschee verfasst worden sein. Was sagen Sie dazu?
Das sind übertriebene Gerüchte. Mein Vater hatte keinen Kontakt zum Präsidenten der Hicret-Moschee. Das Schreiben stammt vielleicht nicht vom Moschee-Präsidenten selbst, aber wir haben das nicht geschrieben. Ich kann auch nicht sagen, wer es geschrieben hat. Zu den angeblichen Druckversuchen: Das eine Vorstandsmitglied hat ohne Rücksprache mit dem Rest des Vorstands ein Austrittsschreiben an uns verfasst …

… gemäss dem Stadtentwickler Lukas Ott wurde er dort gemeinsam von Mitgliedern der Moschee vor Ort über ihren geplanten Austritt informiert.
Das kann ich jetzt nicht beurteilen. Ich war dort nicht anwesend. Was ich weiss, ist, dass das Austrittsschreiben ohne Absprache mit dem Vorstand an uns gesendet wurde. Unser Standpunkt ist: Wer austreten will, darf das, muss aber ein formelles Austrittsschreiben einreichen – und nicht einfach eine E-Mail.

Aber wie kommt der Stadtentwickler dazu, zu sagen, dass Sie Druck auf die Moschee ausgeübt haben? Ein Vorwurf, den Mitglieder uns auch zugetragen haben.
Ich glaube, dass der Druck vielmehr in der Moschee selbst stattgefunden hat. Von uns gab es keine Drohungen und Druckversuche.

Aber wieso konstatiert der Stadtentwickler dies?
Das müssen Sie ihn fragen.

Auf die Kritik hat die BMK sehr heftig reagiert. Ihr Mitglied, Yavuz Tasoglu, hat ihm die Kompetenz als Stadtentwickler abgesprochen. Getroffene Hunde bellen. Und Sie bellen momentan sehr laut.
Unsere offizielle Stellungnahme war sachlich. Herr Tasoglu war über die Worte von Ott derart enttäuscht, dass er via Facebook seinem Unmut Luft machte. Im Nachhinein hat er eingesehen, dass es nicht die richtige Art war, wie wir es sonst pflegen.

Aber das war ja nicht der erste Ausfall. Ihr Bruder und ehemaliger Sprecher, Serhad Karatekin, hat in der Vergangenheit auch bereits Kritikern und Journalisten gedroht.
Leider habe ich diese Aussagen von damals nicht nochmals gelesen. Das eine ist: Diese Facebook-Posts wurden auf Türkisch geschrieben. Beim Übersetzen kann es sein, dass Wörter, die im türkischen Sprachgebrauch als normal gelten, auf Deutsch ein wenig brachial klingen. Aber wir haben uns besprochen und uns geeinigt, dass das nicht das richtige Vorgehen sein kann. Sie müssen aber auch sehen, dass die muslimische Community sehr unter Druck steht. Das macht die Situation sehr angespannt. Dennoch: Wir müssen sachlich bleiben.

Die BMK stand auch in der Kritik, weil sie Graue Wölfe, türkische Rechtsextremisten, in ihren Reihen duldet und sich nicht von ihnen distanziert. Wo ziehen Sie die rote Line?
Sie sprechen hier konkret die Mevlana-Moschee an, die es seit 20 Jahren gibt. Die BMK hat sich den liberalen Werten der Schweiz verschrieben. Wenn wir klare rechtsextreme Propaganda wahrnehmen, würden wir uns natürlich dazu äussern und Massnahmen ergreifen. Aber dem ist nicht so.

Aber da mussten Sie schon beide Ohren und Augen ­zudrücken, um die Propaganda der Mevlana zu übersehen.
Meine persönliche Erfahrung zeigt eine andere Wahrnehmung. Das sind ganz normale Basler Bürger, die arbeiten und auch nicht straffällig sind. Die BMK ist dazu da, um den Dialog zu führen. Da ist es doch erst recht richtig, dass wir zu allen Moscheen einen guten Zugang haben.

Der BMK wurde in der Ver­gangenheit oftmals Nähe zur türkischen AKP nachgesagt. Sie waren einst Mitglied der SP, wo man Ihnen auch AKP-Nähe vorwarf. Wo stehen Sie ­politisch?
Es ist sehr schwierig, dies einfach auszudrücken. Grundsätzlich komme ich aus einem apolitischen Haushalt. Wir waren nie in der türkischen oder schweizerischen Politik engagiert. Politisiert wurde ich durch die Geschichte mit der Kasernen-Moschee. Die SP war damals sehr engagiert, weshalb ich mich entschloss, beizutreten. Aber es ist schwierig, mich politisch in ein Links-rechts-Schema einzuordnen. Ich habe viele politische Schnittmengen. Die Vorwürfe, dass ich AKP-nahe bin, stimmen nicht. Ich bin weder Parteimitglied, noch wähle ich in der Türkei. Türkische Politik ist mir zu aggressiv.

Was sagen Sie zu den Vor­würfen von Basler Moscheen, dass Sie zu radikal seien? Ihre Moschee, die Fetih-Moschee, wird vom türkischen Staat unterstützt.
Die Imame kommen aus der Türkei – korrekt. Aber ich kenne ihre politische Ausrichtung nicht. In der Moschee geht es um Religionsvermittlung. Doch ich verstehe, dass wir deshalb unter Verdacht stehen. Aber in der BMK sind 18 Moschee-Vereinigungen vertreten. Die haben alle unterschiedliche politische Meinungen. Die BMK ist neutral.

Stichwort Dialog: Wie geht es weiter mit Lukas Ott?
Unsere Türen stehen offen, und wir sind immer zu Gesprächen bereit, wenn Herr Ott das wünscht.

Donnerstag 29. August 2019 13:29 

von Serkan Abrecht

Stellungnahme zum BaZ-Artikel vom 26.08.2019

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Stellungnahme zum BaZ-Artikel vom 26.08.2019 «Stadtentwickler kritisiert den Basler Islam-Dachverband als gefährliches Monopol»

Mit Befremden haben wir das gestrige BaZ-Interview mit Herrn Lukas Ott über die BMK zur Kenntnis genommen.

Es war der Wunsch des Kantons, auf muslimischer Seite einen Ansprechpartner im Bezug zum Islam zu
haben, der möglichst viele Vereine vertritt. So bietet die BMK seit über zwanzig Jahren ehrenamtlich seine Dienste an, um einen Dialog zwischen der Öffentlichkeit und seinen 18 Mitgliedsorganisationen
herzustellen. Dieser Dialog findet nicht nur im Interesse der BMK statt, sondern auch im Interesse des Kantons und der Öffentlichkeit. Die BMK bietet eine Plattform, um schwer zugängliche Gesellschaftsgruppen zu erreichen. Es werden Informationen vermittelt, Diskussionen geführt, Mitglieder aufgeklärt, Bildungsanlässe sowie Workshops organisiert, statistische Befragungen durchgeführt und bei Konflikten vermittelt.

Bis das heutige, professionelle Niveau erreicht wurde, sind unzählige ehrenamtliche Stunden investiert worden. Dies alles unter dem Aspekt, dass auf muslimischer Seite sehr knappe personelle Ressourcen vorhanden sind, um die Anliegen der Öffentlichkeit gerecht zu werden. Umso mehr ist es enttäuschend, dass Herr Ott all diese Bemühungen mit keinem Wort würdigt, im Gegenteil. Die BMK wird im Artikel fälschlicherweise als eine homogene Organisation dargestellt, die einen alleinigen Vertretungsanspruch der Muslime für sich geltend machen würde und Druckversuche ausgeübt haben soll. Darüber hinaus wirkt es sehr überheblich, wenn Herr Ott die muslimische Community so darstellt, als ob sie sich darum streiten würden, wer denn jetzt der Ansprechpartner vom Herrn Ott ist?

Herr Ott stellt richtig fest, dass der Kanton einen pluralistischen religiösen Dialog führen muss. Wir unterstützen diesen Ansatz nicht nur, wir fordern diesen auch ein. Es ist sehr wichtig, dass der Kanton auch einen Austausch mit Organisationen führt, die nicht BMK-Mitglied sind.

Weitere Aussagen von Herrn Ott zeigen aber, dass er von der muslimischen Realität in Basel-Stadt wenig Ahnung hat. Dies hat womöglich damit zu tun, dass er seit seinem Amtsantritt vom 1. Dezember 2017 kein einziges Mal mit der BMK ein offizielles Gespräch geführt hat. In unserem Verständnis heisst Dialog, MIT seinen Partnern direkt zu sprechen und allfällige Kritik auch mit seinen Partnern direkt zu diskutieren. Herr Ott hat es aber vorgezogen mit den Medien ÜBER seine Partner zu sprechen, weswegen wir
auch öffentlich auf die Vorwürfe Stellung nehmen.

Es ist uns schleierhaft, was Herr Ott mit seinen Aussagen bezwecken will, zumal die Zusammenarbeit mit der Fachstelle Integration und Diversität bisher immer sehr gut war. Es gibt ohnehin kaum freiwillige aus der Muslimischen Community, die sich nebst ihrem Tagesgeschäft ehrenamtlich um einen Dialog bemühen. Viele qualifizierte Muslime halten sich von dieser Arbeit fern, weil ihnen das Niveau der Debatte so wie sie von Herrn Ott und der BaZ vorgeführt wurde teilweise einfach zu mühsam ist.

Wir hoffen, dass Herr Ott andere Dialogpartner findet und diese dann auch fairer behandelt als er es mit der BMK tut und wünschen Ihm viel Erfolg dabei. Gemäss BaZ-Artikel will er den pluralistischen religiösen Dialog unterstützen. Um Erfolg zu haben empfehlen wir einen echten Dialog und nicht einen Monolog via Medien zu führen.

Zuletzt würden wir gerne festhalten, dass bereits mehrfach betont wurde, dass die BMK nicht den Anspruch hat, alle Muslime zu vertreten. Die BMK vertritt lediglich seine Mitgliedsorganisationen und die Anliegen von Muslimen. So steht es auch auf unserer Homepage. Hätte sich der Journalist die Mühe gemacht, den Einladungen der BMK (die zugesagt und dann ohne Abmeldung nicht eingehalten wurden) Folge zu leisten, hätte er selbst mitbekommen, dass die BMK die Muslimische Community in zahlreichen Workshops und Zusammenkünften dazu ermutigt selber direkte Beziehungen mit dem Kanton, der Politik, der Nachbarschaft und anderen Religionen zu pflegen und diese nicht einfach der BMK zu überlassen.

Es ist bezeichnend, dass der Autor dennoch in seinen Beiträgen konsequent das Gegenteil suggeriert. Er hat offensichtlich ein festgesetztes Bild über die BMK, welches er mantrahaft immer wieder mit ähnlichen Artikeln zu untermauern versucht, anstatt dass er sich einmal unvoreingenommen, persönlich und direkt mit der BMK auseinandersetzt.

Wir zu unserem Teil führen unser Dialog mit den anderen Religionsgemeinschaften, der hiesigen Bevölkerung und allen Dialogwilligen Instanzen ehrenamtlich fort, die bereit sind, einen fairen Dialog auf Augenhöhe zu führen.

Mit freundlichen Grüssen

Vorstand der Basler Muslim Kommission
Basel, 27. August 2019